Nov
29
2008
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Saure Eier Eintopf

Geschrieben von Herr Falschgold in: Kochen nach Worten | Schlagwörter:, , , , , ,

Alles fängt an wie eine olle Gemüsesuppe. Wir würfeln Speck und Zwiebeln klein (ja, liebe Vegetarier, laßt den Speck weg, wenn’s denn sein muß), braten diese, wieder je langsamer je besser, in Butter an, und geben nun hinzu: zwei mittelgroße Kartoffeln und eine Möhre in Stücken, zwei Stangen Porree in 1 cm breite Scheiben geschnitten (wir haben vorher alles Grüne und den Bart abgeschnitten, den Rest eine halbe Stunde im Wasser liegen lassen und immer wieder ausgespült, sonst knirscht’s),

einen Rest Sellerie vom Tag 2 oder in etwa soviel wie man in den Gemüseresten findet, die man hier als “Suppengrün” verwuchert. Man schmort das ganze ein paar Minuten mit und gießt den Topf bis zur Hälfte mit Wasser auf. Man streut Liebstöckel und Petersilie ein und weil man den heutigen kraftlosen Gemüsen leider nicht mehr viel zutrauen kann, ein, zwei Teelöffel gekörnte Gemüsebrühe , nicht mehr, sonst schmeckt’s zu sehr nach Maggi. Jetzt noch genug Salz und frischen Pfeffer und dann kann das, was bis jetzt noch nach Wasser mit Gemüse aussieht in Ruhe vor sich hin köcheln. Ich gebe auch gerne noch eine Dose Erbsen mit rein, weil das so schön grün aussieht. Aber nun genug des Gewöhnlichen!

Wir haben, da wir in deutschen Gefilden leben in unserem jungen oder alten Leben genug Erfahrungen mit diversen Sorten eingelegter Gurken sammeln können um mittlerweile unsere Lieblinge in Sachen Senf-, Dill- und gewöhnlicher Gewürzgurke ausgemacht zu haben. Diese kaufen wir nun zu jeweils einem Glase. Von Knoblauchgurken, obwohl wir sie sonst gern essen, lassen wir die Finger, diese passen hier nicht. Zunächst gießen wir das Gurkenwasser ab. Halt! Nicht in den Ausguß sondern in separate Schüsseln.Nun schneiden wir die Gurken in mundgerechte Stücke und, genau, geben sie in die mittlerweile zehn Minuten hinter sich und bis zum Garpunkt der Kartoffel noch zehn Minuten vor sich habende Gemüsesuppe.

Wieviel Gurke? Viel Gurke. Von jedem der drei Gläser erst mal die Hälfte, dann schauen wir weiter. Wir lassen den Gurken jetzt fünf Minuten Zeit, sich zu erwärmen und ersten Saft abzugeben. Wenn wir jetzt unsere Gemüsesuppe kosten werden wir eine erste Veränderung feststellen. Sie hat zu wenig Salz. Weil wir zu wenig dran gemacht haben. Also salzen wir erst mal nach. Eine andere Veränderung ist subtil und läßt uns die Gemüsesuppe plötzlich bewundert mit anderen Augen betrachten. Die Säure hat ihr einen Schimmer von Eleganz und Exotik gegeben. Wir wollen mehr davon! Wir nehmen also einen Löffel voll der Suppe, wie wir ihn auch zu Tische nehmen würden und wenn wir darin in drei versuchen nicht mindestens jeweils ein Stück Gurke gefunden haben müssen wir das korrigieren. Aber auch nachdem dieser erfreuliche Zustand erreicht worden ist, geben wir uns nicht zufrieden. Wir möchten, daß auch das namensgebende Flüssige in der Suppe diese Eleganz von Kraft und Gurkensäure hat. Und sind nun voller Glück, daß uns beim Abgießen der Gurken jemand in den Arm gefallen ist.

Je nach persönlicher Präferenz geben wir nun Anteile der verschiedenen Gurkenwasser hinzu, langsam, nach und nach, denn wir wollen den bäuerlichen Charakter des gemeinen Gemüseeintopfes nicht vollends verdrängen – ist dies nämlich einmal geschehen, ist das kaum noch reparabel. Es wurden nach solchen Unfällen verschiedene versuche mit Maggi, Zucker, Salz und Gartenkräutern leider nur begrenzt erfolgreich unternommen – man sei also gewarnt.
Ist man mit dem Geschmack zufrieden wird man feststellen, daß der Topf auf einmal nahezu voll ist. Ist das Wort “nahezu” nicht mehr zutreffend heißt es umschütten in einen größeren Topf – denn der aufmerksame Leser rutscht bereits unruhig auf seinem Küchenstuhl hin und her und fragt verzweifelt nach dem Auftritt des mit dem bisher unerwähnten Substantiv in “Saure-Eier-Eintopf” beschriebenen tierischen Ovum. Hier kommt er: nach ca. zwanzig Minuten Köchelns sollten die Kartoffeln nun bißfest sein. Wir zweigen eine Tasse der Suppe ab, puerieren sie und geben sie wieder hinzu um der Suppe die Klarheit zu nehmen. Dann nehmen wir die Suppe vom Herd, ab jetzt darf sie nicht mehr kochen und uns ein Ei.

Wir schlagen es in eine Tasse, geben eine Priese Salz hinzu und lassen es vorsichtig in die Suppe gleiten. Blubb. Dasselbe machen wir mit einem weiteren Ei, dund so weiter bis zur Zahl 10. Oder mehr, weil ist egal, morgen hat man sich eh alle Eier rausgefischt, da kann man heute so viele rein machen wie man will. So lecker ist das nämlich. Jetzt heißt es kämpfen gegen Appetit und Hunger. Denn begänne man sofort zu essen würde man die Eier ungebührlich verrühren bevor sie zum stocken kommen. Also zählen wir die Minuten. Fünfzehn müssen mindestens zusammenkommen. Wer durch nochmaliges Aufkochen schummeln will soll’s ruhig versuchen.

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